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Auf der Morgenrunde

Stephan Peukert
vor 6 Stunden
4 Min. Lesezeit

Wie kommunizieren Hunde eigentlich?


Es ist noch früh am Morgen. Die Felder am Rande des kleines Dorfes Kleinjena, in der Nähe von Naumburg, sind noch Pech schwarz. Nur durch die Lichter der entfernten Bahnanlage lässt sich der sich verziehende Nebel erahnen. Um die Zeit bis zur Morgenrunde zu überbrücken, schnappe ich mir mein Buch über Kraniche und stoße auf ein spannendes Kapitel.


Wie kommunizieren Kraniche? Es wird deutlich, dass auch Kraniche sich nicht immer verstehen. Sich auch manchmal nicht verstanden sehen. Und trotzdem finden sie Mittel und Wege. Doch eine Sache beeindruckte mich. Kraniche sollen nicht körperlich kommunizieren. Die Körpersprache spielt eine große Rolle, aber sich wirklich körperlich berühren, tun sie sich nicht. Generell sind sie wohl, bis auf das Balzverhalten, wo der Kranichhahn auf die Henne springt, in körperlicher Zuwendung sehr zurück haltend. Bin ich ein Kranich, frag ich mich scherzhaft. Und trotzdem denke ich sofort darüber nach, wie Hunde kommunizieren. Diese Frage nehme ich mit auf die Morgenrunde.


Koba, Neila und Chili laufen frei, während ich Chevi an die Leine nehme. Denn auf meiner Morgenrunde habe ich gerne Ruhe zum Nachdenken. Die drei Hunde ohne Leine kommunizieren für mich absolut verständlich. Bei Chevi sieht das anders aus. Er ist in seinem Verhalten sehr widersprüchlich. Kann er bei Hunden schon seinen Standpunkt verdeutlichen, ist er beim Menschen, wie ein Kleinkind, dass sich nicht von seiner Mutter losnabeln kann. Nehme ich ihn mit, muss ich erst ein Stück gegangen sein, bis er auch mit mir ins Gespräch geht. Merkwürdig oder doch verständlich?


So denke ich darüber nach, wie Hunde kommunizieren und überlege, ob ich selbst denn zu körperlich zu den Hunden bin. Ich vergleiche es damit, was ich bei Hunden sehe und denke darüber nach, dass sich Menschen vielleicht lieber wie Kraniche verhalten sollten, wenn sie Körperlichkeiten vermeiden wollen. Die Romantik dahinter kann ich durchaus verstehen. Und auf meiner Morgenrunde musste ich auch nur einmal etwas zu meinen Hunden sagen, doch die Geschichte ist eine ganz andere.


Die zwei Seiten der Kommunikation.


Präsenz und Energie, bei diesem Begriffen komme ich leicht ins Schmunzeln, obwohl sie so gewaltvoll sind. Sag einem Menschen, der mit seinem Hund nicht umgehen kann einfach, er habe nicht die richtige Energie und Präsenz und schon hast du ihn unter Kontrolle. Ich kann durchaus nachvollziehen, was mit diesen Begriffen gemeint ist. Doch die Handhabung der ganzen Sache zeichnet sich für mich als ein elitärer Verein aus, dem man durch Argumente jegliche Kraft aus den Segeln nehmen kann. Wenn Hunde so gut auf Energie und Präsenz reagieren, warum müssen selbst Hundeeltern sie erziehen? Es gibt Videos von Hundeeltern, die ihre Welpen eine halbe Stunde bearbeiten, bis sie sich endlich säubern lassen. Auf der anderen Seite gibt es Hunde, die ihre eigene Sprache nicht verstehen oder sie verloren haben. Der bellende Hofhund, der in der immer gleichen Abfolge bellt. Besitzt der überhaupt noch ein Verständnis der Funktion seines Bellens oder ist es nur noch ein mechanische Ausführen, wie bei einem Tiger im Zoo, der die immer gleichen Schleifen läuft, weil seine Bewegungen keinen Zweck mehr erfüllen.


Und doch muss ich sagen, dass an der ganze Sache was dran ist. Denn natürlich reichen bei meinen Hunden auch "nur" Blicke. Und King Charles, ein bekannter Instagram Hund, muss sich nur sehen lassen und alle Hunde legen sich flach auf den Boden. Ist das diese Präsenz? Ich behaupte, dass es dabei sehr viel um Erfahrung geht. Je mehr Erfahrung du als Mensch hast, desto präsenter kannst du auch werden. Deswegen ist es auch logisch, dass Menschen die mit Hunden arbeiten, klar eine viel bessere Präsens haben, als ein Ersthundebesitzer. Ein Boxer, der sich die Nächte durch den Ring prügelt, hat auch eine viel bessere Präsenz als Oma Gisela, die von ihren Beschwerden spricht. Deswegen kommt es bei der Kommunikation von Hunden in meinen Augen auf zwei Faktoren an.


So verstehst du Hunde besser.


Welche Erfahrung im Bereich der Kommunikation konnte der Hund sammeln und wie gut kommuniziert er? Das sind zwei wesentliche Fragen, die man sich auch über seine Mitmenschen stellen kann. Es geht bei der Kommunikation also immer auch um die gemachte Erfahrung. Sehr viele Hunde und Menschen leben allerdings in einer Erfahrungsarmut. Sie reduzieren ihre Erfahrung auf ein wesentliches Ereignis. Bei den Menschen ist es das Elternhaus oder eine negative Erfahrung, die das Handeln und die Kommunikation des Menschen bestimmt. Bei Hunden ist es die negative Erfahrung aus dem Tierheim, die Rasse oder ein Vorfall, dass dazu führt, dass sie keine Erfahrung machen dürfen. Natürlich steht über dem allen dann der Ersatz der Erfahrungen. Und das sind Methoden oder Denkweisen, die durch die eigene eingeschränkte Erfahrung bestimmt werden.


Beispiel: Ich hatte einen Menschen in der Beratung, der mit seinem Hund keine Probleme hatte. Denn alles, was der Hund konnte wurden ihm vorgegeben und beigebracht. Alles lief toll. Doch bei Hundebegegnungen war Land unter angesagt. Völlige Eskalation. Was ist hier das Problem?

Der Mensch war sehr unsicher. Deswegen musste alles so funktionieren und gehandhabt werden, dass es in keiner Situation dazu kommt, dass dieses Gefühl aufkommt. Das wäre dann ein Kontrollverlust gewesen. Denn der Mensch verliert die Kontrolle über sich selbst. Beim Hund passiert das gleiche. Alles ist kontrolliert und er führt aus. Doch Sei Hunden, also in sozialen Situationen, ist diese Kontrolle nicht mehr möglich. Das Selbe passierte dann bei dem Hund beim Alleine-bleibe. Eine soziale Situation, in der man auf sich allein gestellt ist. Beim Hund brach Panik aus. Kratzte sich an der Tür die Pfoten blutig. Beide mussten völlig neu kommunizieren lernen. Beide liefen vor diesen Situationen weg. Training war einfacher, als sich dem wirklichen Problem zu stellen.


Fazit


Menschen und Hunde muss man aus zwei Zuständen betrachten. Können sie schon kommunizieren, reichen Blicke und Präse

nz. Können sie noch nicht kommunizieren brauchen sie Erfahrungen und diese sollten dazu beitragen auch etwas zu lernen. Nicht nur dazu, sich gut zu fühlen.


Das ganze Thema werde ich noch einmal in einem Video und Podcast bearbeiten. Schau also gerne auch dort vorbei.


Willst du kommunizieren lernen, dann schau dir gerne auch meine Beratungsangebote an.

 
 
 

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